Bei RAW-Aufnahmen (BRAW, REDCODE, ARRIRAW, ProRes RAW) immer erst ins Camera RAW-Tab. Die Werte hier sind verlustfrei — du bearbeitest die Original-Sensor-Daten.
Decode Using → Project oder Clip. Bei mehreren Cams gleicher Marke: Project. Bei Mixed: Clip.
Color Space & Gamma → bei Blackmagic z.B. Blackmagic Design + Blackmagic Design Film Gen5. Niemals Rec.709 hier — das würfest du die LOG-Information weg.
White Balance & Tint → Kelvin-Wert numerisch. Tageslicht 5600K, Innen ~3200K.
ISO & Exposure → non-destruktiv. Bei BRAW kannst du oft ±3 Stops korrigieren.
Highlight Recovery aktivieren wenn Lichter clippen — holt aus dem Sensor-Headroom Detail zurück.
Wichtig: der RAW-Tab ändert nur Metadaten. Erst danach geht's an die Nodes für das eigentliche Grading.
2.2
Waveform — Helligkeit horizontal
Der Waveform ist dein wichtigstes Tool. Er zeigt die Helligkeit deines Bildes:
Drei Waveforms nebeneinander — einer pro Kanal (R/G/B).
Weißabgleich-Check: wenn alle drei Kanäle an einem hellen Punkt (z.B. weißer T-Shirt) auf gleicher Höhe sind → neutral. Wenn Rot oben, Blau unten → Bild ist warm. Andersrum → kühl.
Schwarzabgleich-Check: dasselbe für dunkle Bereiche. Alle drei Kanäle sollten unten gleich auflaufen.
Trick: Aufnahme von grauer Karte vor der Szene — im Parade müssen R, G, B exakt überlappen. Wenn nicht, justierst du über Color Wheels bis sie tun.
Parade — Rot lehnt sich vor, Blau zurück. Bild ist warm.
2.4
Vectorscope — Hue & Saturation visualisiert
Rundes Diagramm. Jeder Pixel des Bildes wird hier als Punkt platziert:
Position um den Kreis = Hue (Farbton)
Entfernung vom Zentrum = Saturation (mehr außen = gesättigter)
Markierungen außen — R/Mg/B/Cy/G/Yl sind die Vollfarben.
Skin-Tone-Linie — die Linie von Mitte schräg nach links-oben in Richtung gelb-rot. Auf dieser Linie müssen alle Hauttonwerte liegen — egal ob hell oder dunkel. Wenn nicht: Weißabgleich prüfen!
Bei neutralem Weißabgleich sammelt sich die "Wolke" um die Mitte (= keine Farbdominanz). Bei warmen Bild zieht sie nach Yl/R. Bei kühlem nach B.
Vectorscope — Skin-Tones (orange) sitzen auf der Skin-Linie
2.5
Primary Color Wheels — Lift, Gamma, Gain, Offset
Die vier Color Wheels sind dein Haupt-Werkzeug. Sie wirken auf unterschiedliche Tonwert-Bereiche:
Lift
Schatten 0–20 IRE
Gamma
Mitten 20–80 IRE
Gain
Lichter 80–100 IRE
Offset
Alles global shift
Lift = Schatten. Ring drumherum = Master-Y (Helligkeit). Nach links = schwarzer, nach rechts = grauer.
Gamma = Mitten. Wichtigster Wheel für den allgemeinen Look-Eindruck.
Gain = Lichter. Achtung Clipping — permanent auf Waveform schauen.
Offset = alle Tonwerte gleichzeitig — gut für globale Farbverschiebungen.
2.6
Node-Workflow — non-destruktiv schichten
DaVinci arbeitet mit Nodes wie Photoshop mit Layers. Standard-Empfehlung für RAW:
01BalanceWeißabgleich neutralisieren
→
02PrimaryLift/Gamma/Gain
→
03SecondarySkin-Tone, Sky isolieren
→
04LookLUT / kreativer Grade
→
05OutputFinal Contrast/Sat
Vorteil: du kannst jeden Node einzeln umgehen (Shortcut Ctrl+D) und siehst was er macht. Bei Problemen einfach den Node löschen statt alles neu zu graden.
2.7
RAW — was besonders zu beachten ist
Color Management an — Project Settings → Color Management → DaVinci YRGB Color Managed. DaVinci konvertiert dann automatisch zwischen Camera-Space und Output-Space.
Input Color Space matcht deine Camera (z.B. Blackmagic 4.6K Film), Output meist Rec.709 Gamma 2.4.
LUTs nur nach dem Balance-Node anwenden — sonst arbeitet das LUT auf unkorrigierten Werten.
Scopes immer offen halten — Auge täuscht, Zahlen nicht. Shortcut Ctrl+Shift+V öffnet alle Scopes.
HDR-Display kalibrieren — ohne kalibrierten Monitor ist alles Glückspiel. Mindestens DCI-P3 oder Rec.709 abdeckend, 100 nits.
Backup vor jedem großen Move — Rechtsklick auf Clip → Add to Compare als Vergleich.
2.8
Power Windows & Secondary Grading
Power Windows = Masken in DaVinci. Für lokale Korrekturen ohne ganzes Bild zu ändern.
Rectangle
Rechteck. Für Sky-Anhebung, Foreground-Verdunkelung.
Circle
Kreis oder Ellipse. Für Gesicht-Aufhellen, Spotlight-Effekt.
Polygon
Freihand-Polygon. Für komplexe Formen.
Curve
Bezier-Kurve. Für weiche organische Formen (Hut, Auto).
Gradient
Verlaufsfilter. Für Horizont-Trennung Himmel/Land.
Magic Mask
KI-Erkennung — Person, Sky, etc. Wie Lightroom-Subject-Mask.
Softness: weicht die Maskenkante ab (1-3 = subtle, 5-8 = sehr weich). Hard-Edge sieht meistens fake aus.
Tracking: Power Window kann der Bewegung folgen. Track Forward Button — DaVinci trackt automatisch das Subject von Frame 1 bis Ende.
2.9
Qualifier — Color Picker für Skin/Sky
Mit dem Qualifier isolierst du Pixel basierend auf Farbe / Helligkeit / Sättigung.
Eyedropper-Tool oben rechts im Qualifier-Panel
Klick auf zu isolierenden Bereich (z.B. Haut)
DaVinci samplet HSL-Werte automatisch
Range-Slider erweitern (Highlight-Plus-Slider lässt etwas mehr Range)
Highlight On aktivieren um zu sehen was selektiert ist (gelbe Überlagerung)
Soften / Despill / Blur für weiche Kanten
Adjust apply — jetzt ändert sich nur die selektierte Range
Klassische Use-Cases:
Skin — Sat -10, Lum +5 (cinematische Haut)
Sky — Sat +15, Cyan-Shift
Foliage — Hue-Shift +5 Richtung Yellow, Sat +10
Specific Color — einzelne Brand-Farbe isolieren
2.10
LUTs & DCTLs richtig nutzen
LUT = Look Up Table. Eine vorgefertigte Color-Transformation.
Technische LUTs — Log-zu-Rec.709-Conversion (z.B. S-Log3 to 709). Gehören immer am Anfang der Node-Pipeline ODER ans Ende wenn du in Log graded hast.
Creative LUTs — "Look"-LUTs (Filmic, Vintage, Teal-Orange). Gehören in den Look-Node.
LUT-Strength kontrollieren: Color FX → LUT ergibt einen FX-Wert (Slider 0-100%) statt fest 100%
DCTL = DaVinci Color Transform Language. Custom-Skripte für Color Operations. Erweiterte User schreiben eigene DCTLs (Korn-Simulation, Halation, Print-Film-Emulation).
Free DCTLs gibt's auf github.com/baldavenger/DCTLs — Film-Looks, Lift/Gamma/Gain-Combos etc.
2.11
Tracking — Objekte verfolgen
Zwei Modi:
Window Tracking — Power Window folgt einem Subjekt. Klick auf Subject + Track Forward → DaVinci verfolgt automatisch.
Point Tracking — verfolgt einen spezifischen Punkt (Auge, Logo). Präziser, manuell-er.
Use Cases:
Person geht durchs Bild — Gesicht-Mask folgt automatisch
Auto fährt vorbei — Kennzeichen-Blur (Window + Mosaic-Effect)
Sky-Replacement — Mask des Sky’s folgt der Kamerabewegung
Pan/Tilt Settings: aktiv lassen wenn Kamera schwenkt. Bei statischem Tripod kannst du Pan/Tilt deaktivieren für genauers Tracking.
2.12
Workflow-Tricks & Shortcuts
Still Store
Aktuelles Frame als Referenz speichern. Ctrl+Alt+G Später wipe-vergleichen mit aktuellem Look.
Wipe Compare
Tasten W aktiviert Wipe zwischen Still und Live. Drag the Line um zu vergleichen.
Group Grading
Mehrere Clips gruppieren. "Group Pre-Clip" Node wirkt auf alle Clips der Gruppe. Für Konsistenz innerhalb Szene.
Memory (A-H)
Grade in Memory speichern (Alt+1..8). Später laden (Ctrl+1..8). Für schnelles Look-Switching.
Color Match
Mit X-Rite Color Checker im Frame: Color Match Tool gibt 1-Click-WB-Match.
Shot Match
Auf 2. Clip rechtsklick → Shot Match to this Clip. KI matched die beiden Löoks.
2.13
Delivery / Export Settings
Master File
ProRes 422 HQ oder DNxHR HQ Native Resolution + Framerate Für Archiv / weitere Bearbeitung