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Anleitung · 04

Low Light

Allgemeine Techniken für wenig Licht — jede Kamera, jedes Szenario

09 Kapitel ~12 min Foto & Video
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Was heißt "Low Light"?

Eine Szene gilt als Low Light wenn deine Kamera mit Standard-Settings nicht sauber belichten kann — also du auf hohe ISO, lange Verschlusszeiten oder offene Blenden ausweichen musst.

Faustregel: alles unter LV 6 (LV = Light Value). Beispiele:

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Warum Sensorgröße zentral ist

Größerer Sensor → größere Pixel → mehr Photonen pro Pixel → weniger Rauschen bei gleicher ISO.

Daumenregel: Vollformat hat ~1.5 Stops Vorteil gegenüber APS-C, APS-C ~2 Stops gegenüber MFT, MFT ~2 Stops gegenüber 1-Zoll.

Spezielle Sensoren mit Dual Native ISO / Dual Base ISO haben zwei optimale ISO-Bereiche — oft 800 und 12800 oder 640 und 12800. In diesen ISO-Stufen ist das Rauschverhalten besonders gut.

MFT17×13mm
APS-C23×15mm
Vollformat36×24mm
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Blende — das billigste Stop Licht

Eine offenere Blende ist der schnellste Weg zu mehr Licht ohne Qualitätsverlust. Vergleich:

f/1.4+3 Stops vs f/4
f/1.8+2.3 Stops
f/2.8+1 Stop
f/4Referenz

Achtung: ganz offen ist nicht immer optimal. f/1.4-Objektive bei f/1.4 oft etwas weich — ein Stop schließen (f/2) gibt Schärfe ohne viel Licht zu verlieren.

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Verschlusszeit-Grenzen

Faustregel Foto: 1 / (Brennweite × Crop). Bei 50mm an Vollformat: max 1/50. An APS-C (50mm = 75mm equiv): max 1/751/80.

Mit IBIS oft 3-5 Stops länger handheld möglich. Aber: gegen Subjekt-Bewegung hilft IBIS nicht.

Subjekt steht still

Limit = Brennweite-Regel. IBIS hilft.

Person sitzt / spricht

Min 1/60 — sonst Lippenbewegung blurry

Person geht

Min 1/125

Sport / Action

Min 1/500 — manchmal 1/1000+

Video Low Light: 180°-Rule (Shutter = 2× FPS) brichst du manchmal. Bei 24p statt 1/50 auch 1/40 oder 1/30. Gibt minimal mehr Motion Blur — oft sogar besser für filmischen Look.

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ISO-Strategie

Niedrigste mögliche ISO = niedrigstes Rauschen. Aber: unterbelichtetes Bild und in Post heller ziehen ist schlechter als korrekt hoch belichtet.

→ lieber ISO hoch als unterbelichten & pushen.

  1. Setze Blende so offen wie sinnvoll (siehe Kap. 3)
  2. Setze Verschluss so lang wie sinnvoll (siehe Kap. 4)
  3. ISO automatisch falls noch Änderungen drin, oder manuell so dass Histogramm gut belichtet ist
  4. Bei Dual Native ISO: auf High-Base ISO-Stufe wechseln (z.B. ISO 6400 statt 1600 — gleiches Rauschniveau)
ISO 100–800perfekt
ISO 1600–3200sehr gut
ISO 6400–12800akzeptabel (FF)
ISO 25600+nur Notfall
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Rauschen verstehen

Zwei Arten:

Reduktion vor Aufnahme:

Reduktion nach Aufnahme:

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Weißabgleich bei künstlichem Licht

Mehrere Lichtquellen mit verschiedenen Farbtemperaturen = WB-Hölle. Lösungen:

Video: WB nie auf Auto. Manuelle Kelvin pro Szene festsetzen — sonst springt die Farbe zwischen Cuts.

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Autofokus bei wenig Licht

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Beispiel-Settings nach Szene

Konzert / Bühne

  • Modus: M + Auto-ISO
  • Blende: f/2.8 oder offener
  • Shutter: 1/250 (Bewegung)
  • ISO Max: 12800
  • Highlight-gewichtet messen

Innenraum / Familie

  • Modus: A
  • Blende: f/1.8–2.8
  • Shutter Min: 1/100
  • ISO: 1600–6400

Straße bei Nacht

  • Modus: A
  • Blende: f/2.0–2.8
  • Shutter: 1/60–1/125
  • ISO: 3200–6400
  • Straßenlaternen als Lichtquelle nutzen

Astro / Sterne

  • Modus: M auf Stativ
  • Blende: f/2.8 oder offener
  • Shutter: 500-Rule (500/Brennweite Sek)
  • ISO: 3200–6400
  • Manueller Fokus auf hellsten Stern
  • 2s Self-Timer / Fernauslöser
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Mixed Lighting Sources im Detail

Wenn mehrere Lichtquellen verschiedene Farbtemperaturen haben, hast du drei Optionen:

  1. Dominante Quelle als Master setzen — alles andere nimmst du in Kauf. Z.B. Café: warmes Innenlicht (3200K) ist Master, Fensterlicht (5600K) sieht dann sehr blau aus — oft ist das gewollt (cinematische Atmosphäre).
  2. Mittlere Temperatur wählen — z.B. 4300K — beide Quellen sehen leicht "off" aus aber gleichberechtigt.
  3. Gels auf die Lichter — CTO (Orange) auf das kühle Licht, oder CTB (Blau) auf das warme. Damit alle Quellen gleich werden.

Bei Video ist konsistente WB zwischen Shots der Szene wichtiger als die "korrekte" WB. Lieber alle Shots leicht warm als manche neutral und manche warm.

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Lichtgestaltung — was du selbst kontrollieren kannst

Reflektor (5-in-1)

Weiss / Silber / Gold / Schwarz / Diffusor
Wirft existierendes Licht zurück
Klein zum Mitnehmen. ~20€

Praktikum-Lampen

Aputure AL-M9, Godox C300
Klein, batteriebetrieben
Setze als "im Bild sichtbar" oder hidden

LED-Panel

Bi-Color (2700K-5600K), dimmbar
Für Talking Heads
Aputure AL-MC, Godox LED36

RGB-Panel

Für Cinematic Background-Color
Hue-Wheel via App-Control
Aputure Amaran T2c, Godox TL30

Continuous COB

Profi-Modul mit Bowens-Mount
Aputure 60D / 120D — Studio-tauglich
Ab ~250€

Diffusion-Material

Dome / Softbox / Bouncer
Härte des Lichts kontrollieren
Macht Lichtquelle "weicher" / grösser

3-Light-Setup Klassiker: Key Light (Hauptlicht von vorne-seitlich), Fill Light (1-2 Stops dunkler, Schatten füllen), Rim Light (von hinten, trennt Subjekt vom Hintergrund).

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Konzert / Bühne — spezifischer Workflow

  1. Pre-Show: Highlight-gewichtete Messung aktivieren (Sony/Nikon)
  2. Position: möglichst auf Höhe der Bühne, vermeidet kompletter Up-Angle
  3. Telezoom 70-200 f/2.8 ist der Standard. 24-70 f/2.8 für Wide-Shots der Crowd
  4. Auto-ISO mit Max 12800, Shutter 1/250 minimum (Performer bewegen sich!)
  5. AF-C + Tracking — Performer bewegt sich, AF muss folgen
  6. Continuous Hi+ wenn Body es erlaubt — immer 2-3 Frames für Auswahl
  7. Belichtungs-Korrektur -1 EV oft nötig — Bühnenlichter sind heller als Kamera erwartet
  8. RAW only — Bühne hat extreme Lichtkontraste, RAW gibt Recovery-Headroom
  9. Avoid Flash — respektlos gegenüber Performer + ruiniert die Atmosphäre
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Astrofotographie — deep-dive

Stars haben spezielle Anforderungen:

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Indoor-Events & Hochzeiten

Wo Lichtsthilfe oft unerwartet ist: